Die Zukunft von Lisandro Martinez bei Manchester United ist ungewiss, nachdem der Verteidiger die Vereinsführung öffentlich scharf kritisiert hat.

Lisandro Martinez steht bei Manchester United nach seiner öffentlichen Kritik an der Vereinsführung infrage. Der Vertrag des Argentiniers läuft im nächsten Sommer aus, und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob er verlängert wird. Der Klub hat die Option, seinen Aufenthalt um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Manchester United will in den kommenden Transferfenstern vor allem die Defensive umbauen. Wie zu erfahren ist, sucht der Klub neue Innenverteidiger und auch Linksverteidiger.

Die Verantwortlichen haben noch nicht entschieden, ob sie Martinez wegen seiner Äusserungen sanktionieren. Der 28-Jährige sagte: „Ich erwarte mehr von unserem technischen Direktor (gemeint ist Sportdirektor Jason Wilcox). Wir erwarten mehr von oben, von der Führungsetage, dass sie mehr Spieler holt, damit wir konkurrenzfähig sind.“

Unmut in Vorstand und Kabine

Wie zu erfahren ist, herrschen sowohl im Vorstand als auch in der Kabine Ärger und Verwunderung über Martinez’ Aussagen. Auf dem Rückflug nach Manchester hat mindestens ein anderer Spieler ihn deswegen zur Rede gestellt.

Intern gibt es zudem keinen Druck auf Wilcox bezüglich seiner Position. Die Andeutung, Martinez halte seine Teamkollegen nicht für gut genug, um mitzuhalten, kam bei anderen Spielern schlecht an.

Martinez strebt seit längerer Zeit einen Wechsel weg von Old Trafford an. Im Sommer drängte er auf einen Transfer zu Atlético Madrid, dem Klub, der United am Vorabend in der Champions League besiegt hat. Dort wollte er seinem guten Freund und Nationalmannschaftskollegen Cristian Romero folgen, der von Tottenham nach Spanien gewechselt war. Für Martinez ging jedoch kein passendes Angebot ein, das United hätte prüfen können.

Der 28-Jährige hatte sich bereits 2022 bei Ajax ähnlich heftig über seine Vorgesetzten geäussert. Damals wollte er ebenfalls weg und bezeichnete den Sportdirektor Gerry Hamstra als „Niemand“.

Martinez ist weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Kaders von Michael Carrick. Die Verantwortlichen von United wissen, dass sie die Situation behutsam handhaben müssen. Sollte sich ein Zerwürfnis verfestigen, könnte das die ohnehin von Verletzungen und Sperren geplagte Defensive weiter schwächen.

Defensive unter Druck

Ayden Heaven stand gegen Atlético auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers. Leny Yoro wurde im Metropolitano-Stadion vom Platz gestellt und wird nun für ein Europacup-Spiel gesperrt. Der 33-jährige Harry Maguire wird in seinen Einsätzen geschont, um ihn nicht zu überlasten.

Luke Shaw fällt verletzt aus, ein Rückkehrdatum ist nicht genannt. Seine Alternativen auf der Position, Patrick Dorgu und Noussair Mazraoui, fehlen ebenfalls wegen Fitnessproblemen.

Warum United nicht gross einkaufen kann

Ein Experte erklärt: „Manchester United ist nicht mehr die Macht im Weltfussball, die sie einmal war. Ja, sie haben einen Rekordumsatz von 678 Millionen Pfund erzielt, machten aber trotzdem einen Verlust vor Steuern von 47 Millionen Pfund und zahlen Zinsen auf Kredite von 70 Millionen Pfund.“

Weiter sagt er: „Wir wissen, dass sie grosse Schulden bei den Glazers haben. Sie verfügen nicht über die Summen, die Manchester City, Arsenal oder Chelsea zur Verfügung haben.“

Die Transferstrategie des Klubs sei sehr spezifisch. „Vor zwei Sommern lag der Fokus auf dem Angriff, diesen Sommer ging es um das Mittelfeld, weil nach dem Abgang von Casemiro nur noch Kobbie Mainoo als gestandener Mittelfeldspieler übrig war. Die drei Mittelfeldspieler, die sie geholt haben, standen übrigens alle in der Startelf. Dafür wurden 156 Millionen Pfund ausgegeben, und alle drei sind zentral für die Zukunft von United.“

Im nächsten Transferfenster werde der Fokus auf der Abwehr liegen. „Viele Fans fragen sich aber, wie sie diese Saison mit Luke Shaw als einzigem gestandenen Linksverteidiger überstehen sollen. Das ist ein berechtigtes Argument. United wird entgegnen, dass sie kein Geld für eine Übergangslösung ausgeben wollen, wenn sie im Sommer ohnehin einen neuen Linksverteidiger holen. Sonst hätte man Spieler mit hohen Gehältern, die nicht spielen würden.“

Myles Lewis-Skelly und Lewis Hall seien die eigentlichen Wunschkandidaten auf dieser Position, doch United könne sie sich nicht leisten. „Es gibt derzeit eine Diskrepanz zwischen der finanziellen Realität von Manchester United und ihrer Strategie für die Zukunft. Die Fans lassen sich davon nicht beeindrucken, aber die Frustration ist verständlich, wenn Rivalen gross einkaufen, während sie dazu im Moment einfach nicht in der Lage sind.“

Merson: „Eine traurige Situation“

Paul Merson kommentiert die Lage ebenfalls deutlich: „Vor allem braucht man eine gute Defensive. Wenn man hinten nicht stabil ist, bricht alles zusammen. Man baut kein Haus auf einen Sumpf, und bei einer Fussballmannschaft ist es genauso.“

Er fügt hinzu: „Ich mag Carlos Baleba von Brighton, aber er ist noch jung. Youri Tielemans finde ich gut. Von der Verpflichtung von Andrey Santos war ich allerdings etwas schockiert, das muss ich ehrlich sagen. Ich bin ein grosser Chelsea-Fan, und ich habe letzte Saison nichts gesehen, das mich bei Manchester United sagen liess: ‚Was für ein Transfer.‘ Diesen verstehe ich nicht.“

Zur Lage des Klubs sagt er: „Es ist traurig, dass sich Manchester United diese Spieler nicht leisten kann. Sie gehören zu den grössten Klubs der Welt und können sich einen Myles Lewis-Skelly oder einen Lewis Hall nicht leisten. Es ist ziemlich traurig, wenn man sieht, wo United heute steht, verglichen mit vor zwanzig Jahren, als sie eines der besten Teams aller Zeiten waren. Sehr traurig.“

Merson findet auch: „Sie sollten nicht dort stehen, wo sie jetzt stehen. Sie verkaufen wahrscheinlich mehr Trikots als alle anderen. Ihr Fanshop ist so gross wie Selfridges. Wo immer man auf der Welt hinkommt, tragen Leute Manchester-United-Trikots. Die Entwicklung ist traurig.“

Schliesslich sagt er: „Andere Teams kaufen für die Summe, die United für drei Mittelfeldspieler ausgibt, einen einzigen Spieler. Wir wissen alle, dass ein Spieler mit höherem Preis meist auch der bessere Spieler ist. Manchester United ist im Moment in dieser ‚Schnäppchen-Jagd‘. Sie sind der Arthur Daley unter den Topklubs. Sie handeln und verschieben, während andere das fertige Produkt kaufen. United holt Spieler, die vielleicht gut werden.“

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *